Wanderung mit Hund

Wanderung mit Hund

Der schwarze Wanderprofi

Ab Kilometer 1,2 nahm unsere Wanderung eine unerwartete Wendung – in Form eines sehr großen, sehr schwarzen und offensichtlich sehr entscheidungsfreudigen Hundes. Er schoss plötzlich aus einem Grundstück, auf dem eine Gärtnerin gerade mit dem Rasenmäher beschäftigt war. Sie rief noch halbherzig „¡Ven aquí!“, aber man merkte sofort: Dieser Hund hatte heute andere Pläne. Und wir waren jetzt sein Projekt. Zunächst dachten wir, er würde nach ein paar Metern das Interesse verlieren. Tat er nicht.

Wir blieben stehen – er blieb stehen. Wir gingen schneller – er ging schneller.

Selbst entgegenkommende Wanderer, die durchaus wie geeignete „Ersatzgruppen“ aussahen, ignorierte er völlig. Offensichtlich hatte er Qualitätsansprüche. Mit jedem Kilometer wurde uns klar: Das hier ist keine zufällige Begegnung. Das ist eine feste Bindung auf Zeit.

Allmählich begannen die Krisengespräche: „Vielleicht bleibt er einfach irgendwann zurück?“ „Wir könnten ihn am Ende… äh… stehen lassen?“ „Muss einer mit dem Linienbus zurückfahren? Darf man in Spanien eigentlich 40-Kilo-Hunde im Bus transportieren?“

Der Hund trottete währenddessen zufrieden neben uns her, als hätte er die ganze Tour organisiert. Am Auto angekommen, setzte er sich vor uns hin und sah uns an. Dieser Blick sagte ganz klar:

„Also gut. Wer fährt?“

In einem Anflug von pädagogischer Konsequenz öffnete ich die hintere Autotür und sagte spaßeshalber: „Einsteigen!“ Und was macht er? Er springt seelenruhig hinein und setzt sich auf den Rücksitz, als hätte er nie etwas anderes getan.

Damit war die Sitzverteilung eindeutig geregelt. Zwei aus der Gruppe beschlossen spontan, noch gemütlich einen Kaffee trinken zu gehen, während ich mit Beate (die einige spanische Hunde-Kommandos beherrschte) unserem temporären Vierbeiner-Tourguide zurück zum Ausgangspunkt fuhr. Ganz bis zu seinem Grundstück kamen wir nicht, also ließen wir ihn ein Stück unterhalb aussteigen. Wir begleiteten ihn noch ein paar Meter bergauf – fürs gute Gewissen – und nutzten dann den Moment, um uns möglichst unauffällig wieder ins Auto zu schleichen. Motor an. Schnell weg.

Ein paar Meter später bemerkte er den kleinen strategischen Rückzug. Er blieb stehen und sah uns hinterher – leicht irritiert, vielleicht ein bisschen enttäuscht. Aber was hätten wir machen sollen?

Er hatte uns schließlich engagiert – nicht wir ihn!

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